KONTEXT
In den Jahren 2001 und 2004 ereigneten sich in Köln zwei Bombenanschläge, die Teil der rassistischen Mord- und Anschlagsserie des neonazistischen Netzwerks »Nationalsozialistischer Untergrund« waren. Die Angriffe richteten sich gezielt gegen Menschen mit Migrationsgeschichte und führten zwischen 2000 und 2007 zu mindestens zehn Todesopfern.
Bis zu dessen sogenannten »Selbstenttarnung« 2011 wurden vor allem die Opfer der Gewalt selbst als Täter*innen stigmatisiert. Der Kampf für Aufklärung und Erinnern der Betroffenen dauert weiterhin an.
Bereits 2016 wurde der Entwurf des Künstlers Ulf Aminde für ein Mahnmal an der Keupstraße ausgewählt. Dessen Grundlage ist eine Betonplatte im gleichen Maß wie die Bodenplatte des Friseursalons, vor dem die Bombe detonierte.
Dieses Fundament wird erweitert durch eine Augmented Reality Installation, welche in (überwiegend) filmischen Arbeiten sowohl die Perspektive der Betroffenen im Rahmen von Interviews aufzeigt, als auch Raum für solidarische, künstlerische und aktivistische Beiträge bietet. Dieses wachsende Medienarchiv wird ergänzend zur Installation vor Ort auch auf einer Website gebündelt werden.

PROJEKT
In der Kooperation mit Ulf Aminde und im Austausch mit der Initiative in Köln haben wir im letzten Jahr Werkzeuge und Methoden erprobt, mit denen die Menschen vor Ort ihr situiertes Wissen archivieren können, das die Grundlage für den Erinnerungsort bildet. Die ständige Aushandlung von Positionierung, also das kritische Hinterfragen der eigenen Rolle ist dabei essenzieller Bestandteil der Zusammenarbeit.
Im letzten Semester haben wir ein visuelle Sprache und ein Konzept für die Website des Erinnerungsortes entwickelt.
Das Zentrum der Webseite lautet: »Erinnern heißt Zuhören, Verändern, Kämpfen, Positionieren, Versammeln.« Sie versteht sich als Forderung und dient gleichzeitig als Navigation durch die einzelnen Räume, die vielstimmige Perspektiven in verschiedenen Formaten erfahrbar machen.
In den nächsten Monaten werden wir unsere Ideen im Austausch mit der Initiative vor Ort weiter entwickeln. Am 9. Juni 2024, dem 20. Jahrestag des Anschlags in der Keupstraße soll das Konzept erstmals öffentlich vor politischen Entscheidungsträger*innen und möglichen Förder*innen im Rahmen eines Stadtteilfests präsentiert werden.





